
«Evangelikal» war einmal eine Bezeichnung für bibeltreue Christen, die das Wort Gottes in Lehre und Leben ohne Abstriche und Hinzufügungen ernst nahmen. Heute ist der Begriff leider sehr schwammig geworden. In einer Zeit, in der besondere Widerstandskraft gegenüber dem antichristlichen Zeitgeist notwendig wäre, sind viele Evangelikale miteinander zerstritten, unterwandert, weltangepasst, zeitgeisthörig, glaubensarm, mutlos und schwach. Die Diskussionen, Spaltungen und Skandale der letzten Zeit mögen als Beweis genügen. Diese Lage kann nur einem gefallen: dem Teufel, der «wenig Zeit» hat (Offenbarung 12,12) und möchte, dass sich die antichristliche Herrschaft möglichst ungehindert entfalten kann. Im Folgenden nenne ich einige Beispiele für diese traurige Situation, die sich hoffentlich noch einmal wenden möge. In vielen evangelikalen Kreisen und Gemeinden findet sich:
– die Ablösung einer konsequent bibeltreuen Haltung durch offene oder schleichende Anpassung an bibelkritische Systeme und Aussagen, z.B. eine Relativierung biblischer Schöpfungs-, Gemeinde- und Endzeitlehre;
– das Eindringen von Irrtümern aus Humanismus, Feminismus, Evolutionismus und anderen «-ismen»;
– die Relativierung oder Missachtung biblisch-ethischer Massstäbe, z.B. was uneheliches Zusammenleben, Scheidung aufgrund blosser «Zerrüttung», weltliche Meinungen, Mode- und Musikstile angeht;
– das Fehlen der Gemeindezucht bei krassen Sünden und Irrlehren, die die Gemeinde zerstören;
– die Überordnung des «Ich» (auch des «frommen Ich») mit seinen «Bedürfnissen» über die Majestät und Heiligkeit Gottes;
– der Ersatz wahrer biblischer Seelsorge mit Sündenerkenntnis, Busse und Vergebung durch Methoden humanistischer Psychologie;
– die Übernahme der «Spasskultur» mit Show, Fun und Techno-Parties in Gemeinden;
– die Vermarktung des Evangeliums durch aggressive Werbemassnahmen von Verlagen, hohe Gagen von Künstlern und unlautere, manipulative und drängende «Kollektenpredigten»;
– die Verkündigung eines «Wohlfühl-» und «Wohlstandsevangeliums»;
– der Ersatz biblischer Lehre durch eine flache «Romankultur»;
– der zunehmende Verlust biblischer Substanz und lehrmässigen Tiefgangs zugunsten menschlicher Erfahrungen und Bedürfnisse bei vielen neuen christlichen Liedern;
– das zunehmende Verschweigen grundlegender biblischer Themen wie «Sünde», «Busse», «Kreuz», «Ernst der Nachfolge», «Hölle» und «ewige Verdammnis»;
– die einseitige Betonung der Liebe und «Zärtlichkeit» Gottes gegenüber Seiner Heiligkeit und dem Ernst Seines Gerichts;
– der Ersatz des biblischen Bekenner- und Widerstandsgeistes durch eine falsch verstandene Einheits- und Harmoniesucht;
– die völlige Unterbetonung biblischer Apologetik (Lehre von der Unterscheidung der Geister und der Verteidigung des Glaubens);
– die zunehmende Offenheit für eine Ökumene der Konfessionen (zum Teil auch bereits der Religionen), auch und sogar bei einigen führenden Evangelikalen;
– die Verspottung solcher Geschwister, die an den eindeutigen Massstäben der Heiligen Schrift festhalten wollen, als «engstirnig», «gesetzlich» und «vorgestrig».
Gewiss ist dies – Gott sei Dank – nicht in allen «evangelikalen» Gemeinden so. Und doch muss die Frage gestellt werden dürfen: Werden Christen, die einem solchen armen, verflachten «Christsein» huldigen, in der Lage sein, dem Antichristen und seinen Vorläufern zu widerstehen? Ich fürchte: nein, und nenne deshalb morgen einige Kriterien für ein widerstandsfähiges und «endzeitfestes» Leben als Christ.
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1. Petrus 4,17
«Denn die Zeit ist da, dass das Gericht anfängt an dem Hause Gottes.»